Alexander Genne

Mein Name ist Alexander Genne, ich wurde 1978 in Kasachstan geboren. Nach Deutschland kam ich, als ich zwanzig Jahre alt war, also im August 1998. Seitdem habe ich den Wohnsitz oft - bedingt u.a. durch meinen beruflichen Werdegang - gewechselt und bin jetzt froh, wieder dort sesshaft zu werden, dort  wo alles angefangen hat, nämlich in Hannover.

Die Entscheidung nach Deutschland zu kommen, fiel meiner Familie nicht leicht. Einige unserer Verwandten wanderten bereits 1989 nach Deutschland aus. Wir entschieden uns erst 1993 die Aufnahme zu beantragen, danach dauerte es noch ganze 5 Jahre, bis wir die Einladung erhielten. In dieser Zeit schloss ich eine Ausbildung an der  Bauingenieurschule zum Bauingenieur ab und fing 1997 mit dem Studium des Bauwesens an der Universität an. Ich wurde ins fünfte Semester aufgenommen, da von meiner Ausbildung an der Ingenieurschule vier Semester angerechnet wurden.

In meiner Heimatstadt Sheskasgan hatten wir einen deutschen Jugendclub, da erfuhr ich zum ersten Mal von der Otto Benecke Stiftung e. V. Als ich dann später nach Deutschland kam, schickte ich sofort meine Unterlagen an die OBS und durfte nach etwa einem halben Jahr mit dem Intensivsprachkurs in Hannover anfangen. Leider wurde mein Studium, wie bei den vielen anderen Spätaussiedlern, nicht als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt, so wurde ich „gezwungen“ am Sonderlehrgang für Spätaussiedler in Göttingen teilzunehmen. Es hat mich schon Überwindung gekostet, mich wieder an die Schulbank zu setzen, ich war ja schließlich seit 1993 mit der Schule fertig und genoss seitdem das Studentenleben.

Zurückschauend bin ich sehr glücklich, dass ich damals die Entscheidung traf, das Abitur bei der OBS nachzumachen. Es war eine sehr harte Zeit, in der ich sowohl meine Deutschkenntnisse verbesserte als auch sehr gute Englischkenntnisse erwarb, was in meinem Beruf sehr wichtig ist.  Fächer wie Politik und Geschichte halfen mir, die deutsche Kultur und Mentalität besser kennenzulernen und zu verstehen.

Nicht zu unterschätzen sind auch die OBS-Berater, die mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite standen. Einen ganz besonderen Dank an dieser Stelle geht an das Göttinger Büro! Sogar später, als ich nach der Bundeswehr mitten im Wirtschaftsinformatik-Studium war, wandte ich mich mit meinen Fragen wieder dorthin und bekam immer kompetente Antworten. Reinen Gewissens kann ich sagen, dass ich es der OBS zu verdanken habe, dass ich mein Studium der Wirtschaftsinformatik (Fachhochschule) innerhalb von neun Semester erfolgreich abgeschlossen habe. Dank der während des Sonderlehrganges angeeigneten Kenntnisse und Fähigkeiten fiel es mir viel leichter, während des Studiums Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen und darüber hinaus mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Diese Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten konnte ich sowohl theoretisch als auch praktisch anwenden; das habe ich mehrmals während meiner beiden Praxissemester beim Fahrzeugbauunternehmen Karmann sowie später in meinem beruflichen Alltag unter Beweis gestellt.

Derzeit arbeite ich als Softwareentwickler in einer IT-Beratungsfirma und freue mich jeden Tag aufs Neue, dass meine Wahl auf diesen Beruf gefallen ist und dass ich meinen Berufswunsch auch  dank der Unterstützung der OBS verwirklichen konnte.

Und was die Zukunft angeht, spiele ich momentan mit dem Gedanken in fünf Jahren einen Uni-Abschluss zu machen und dann irgendwann mal zu promovieren.