Olga Schigal

Geboren wurde ich 1980 in Ischimbai, Russland. Die Einreise in die Bundesrepublik Deutschland erfolgte am 25.05.1997 unmittelbar nach dem Abschluss der Mittelschule in Njagan, Russland/Mittelsibirien, wo ich aufgewachsen bin. Meine Geschichte ist eine von vielen ähnlichen der zu dieser Zeit in die Bundesrepublik Deutschland einreisenden Russlanddeutschen, Wolgadeutschen, Sibiriendeutschen, Spätaussiedlern. Dies sind einige der Begrifflichkeiten, mit denen ich mich in Deutschland jetzt schon elf verbrachte Jahre identifizieren und auseinander setzen sollte. Nach meiner heutigen Einschätzung zurückblickend kann ich mit Genugtuung sagen, dass sich die Jahre mit einer starken Intensität an Erfahrungen und Erlebnissen gefüllt haben.  

Mein Ziel habe ich mittlerweile erreicht. Anfang Juli 2008 schloss ich das Studium der freien Kunst an der Kunstakademie Münster ab. Zur Zeit befinde ich mich im Meisterschülerjahr. Die Auszeichnung der Meisterschülerin erhielt ich von der Professorin und Künstlerin Katharina Fritsch, in deren Klasse ich mein Studium hauptsächlich verbracht habe. 


Eine besondere Bedeutung im Erreichen meines Zieles spielte die Otto Benecke Stiftung. Der Abschluss des Intensiv-Sprachkurses in Hamburg ermöglichte mir das Abitur in Göttingen, das ich mit Erfolg abgeschlossen habe. Außer der eigenen Motivation braucht der Mensch, der sich in einem fremden Land anfänglich noch nicht zu orientieren weiß, einen Leitfaden, unterstützende Gespräche, richtungweisende Hilfestellungen und nicht zu vergessen - auch finanzielle Unterstützung.  Bis heute erlebe ich immer wieder Momente, in denen mir klar wird, wie viel ich aus dem Wissen, das ich in der Zeit des Abiturs mitgenommen habe, für mein alltägliches Leben und Studium schöpfen konnte und kann.

Auch das Einfühlungsvermögen und die Kompetenz der Lehrer und Berater der Otto Benecke Stiftung, die mit der Situation der Aussiedler vertraut waren, gaben mir stets das Gefühl, nicht allein gelassen zu sein und die Möglichkeit zu haben, bei Problemen immer auf offene Ohren zu stoßen. Was mich auch in dieser Zeit unterstützend aufgebaut hat, ist der Austausch von Meinungen und Erfahrungen mit anderen Jugendlichen, die die gleiche Geschichte (Umzug nach Deutschland) hatten. Es half mir sehr so viele neue Eindrücke zu verarbeiten und mich für eine neue Kultur zu öffnen, um mich darin zu orientieren und wohl zu fühlen. Durch das Kennenlernen einer anderen Kultur verstärkt sich das Interesse an weiteren Kulturen um so mehr. Diese Erfahrung half mir in meinem Studium besonders tolerant den ausländischen Studierenden zu begegnen, denn deren Prozentsatz an unserer Kunstakademie beträgt 40 %. So erweiterte sich mein Freundes- und Bekanntenkreis um Menschen aus Deutschland, Ukraine, Südkorea, Bulgarien, Polen, Japan, Weißrussland, Türkei, Lateinamerika, Spanien.

Meiner Ansicht nach ist das Reisen und die Fähigkeit, dem Neuen begegnen zu können, für meinen späteren Beruf als freischaffende Künstlerin von großer Bedeutung. Die Kunst hilft mir besonders, die mit dem Umzug entstandenen Emotionen zu verarbeiten und in meinem Fall im bildhauerischen Medium zum Ausdruck zu bringen.

Eine der Hauptthemen in meinen Arbeiten ist Russland oder die Beziehung zu diesem Land. Besonders deutlich wird es in den Arbeiten mit den Titeln „Mütterchen Russland“ 2004 und „Roter Platz“ 2008. In den ersten Jahren meines Studiums spürte ich den Ernst der nostalgischen Gefühle und der Sehnsucht nach meinem Heimatland, aber mit der Zeit konnte ich die Themen mit immer mehr Humor und Leichtigkeit behandeln.

An dieser Stelle möchte ich noch mal die Wichtigkeit der Organisation Otto Benecke Stiftung“ für meinen Bildungsweg erwähnen und mich für die Unterstützung bedanken!