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Migranteneltern in Multifunktion: Lotsen in die Arbeitswelt ihrer Kinder und Vorbilder im bürgerschaftlichen Engagement.
Der Abschlusskongress des Projektes MIGELO findet am 25. Januar 2012 in Berlin in der Werkstatt der Kulturen statt.
An die Mitwirkung von Migranten und ihre Organisationen werden seitens der Politik in der letzen Zeit große Hoffungen und Erwartungen geknüpft. Als politisches Signal und Einladung zu einer breiten Partizipation ist dies zu begrüßen und trifft auf viel Zustimmung in den Migranten-Communities. Umso interessanter ist es nun, sich gemeinsam anzusehen, wie dies in der Praxis aussehen kann, welche Anknüpfungspunkte und Ideen bereits umgesetzt werden und welche zusätzlichen Impulse benötigt werden.
Anhand von zwei aktuellen Themenkomplexen, die in dem Projekt MIGELO eine große Rolle gespielt haben, wollen wir einen Dialog zwischen Politik und Praxis führen. Der eine Schwerpunkt betrifft die schulische Bildung und das Erwerbsleben und die Frage, in wieweit Migranteneltern in der Lage sind, für ihre Kinder eine gute Brücke in das Arbeitsleben zu bauen. Was ist der Stand und was müssen wir verändern, um diese Elternrolle noch weiter zu stärken? Was erwartet die Politik einerseits und wo kann sie Eltern unterstützen?
Der nächste Schwerpunkt widmet sich dem Thema bürgerschaftliches Engagement. Es steht für die vielfältigsten Formen der Beteiligung in unserer Zivilgesellschaft und ist für einige Migrantengruppen sehr ungewohnt. MIGELO hat vielerlei Aktive in Initiativen von russischsprachigen Migranten unterstützt und weitergebildet. Es wurden lokale Vereine und sogar ein Bundesverband der russischsprachigen Eltern gegründet. Freiwillige haben kontinuierlich Informationsveranstaltungen in den Städten durchgeführt und viele Menschen erreicht. Wie werden sich Teile unserer Gesellschaft dadurch ändern? Was bewirken diese Aktivitäten z.B. im Bereich der Bildung? Was kann die Politik den Aktiven in den Migrantenorganisationen raten?
Frau Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung haben beide ihre Teilnahme zugesagt und werden prominente Beiträge leisten.
Wir laden Sie hiermit herzlich zu unserem Kongress ein und hoffen, dass Sie Zeit finden werden mit uns ins Gespräch zu kommen. Es wird ausreichend Gelegenheit geben, vielfältige Netzwerkkontakte zu knüpfen. Den Einladungs-Flyer erhalten Sie bei
http://www.migelo.de/index.php/news.html
oder direkt über
Allgemeine Informationen zum Projekt MIGELO:
MIGELO ist ein Projekt, das die OBS e.V. gemeinsam mit dem Kultur- und Integrationszentrum Phoenix e.V. durchführt. Das Projekt findet im Rahmen des Xenos-Programms statt und wird gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, vom Europäischen Sozialfonds sowie der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Das Projekt verfolgt das Ziel, zugewanderte russischsprachige Eltern zu befähigen, die Integrationschancen ihrer Kinder in der demokratischen Gesellschaft sowie in der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt fördern. In sieben Ausbildungsmodulen werden Eltern und Großeltern russischsprachiger Jugendlicher zu Lotsen ausgebildet und erwerben Kompetenzen, die sie in die Lage versetzen, sich selbst effektiv zu organisieren, die Bildungschancen ihrer Kinder aktiv zu erhöhen, die Berufsorientierung zu fördern und das Zusammenleben von einheimischen und Zuwanderern zu verbessern.
Die am Projekt teilnehmenden Eltern werden motiviert, geschult und unterstützt, sich nach dem Vorbild der Elternvereine anderer Migrantengruppen zu Selbstorganisationen auf lokaler Basis zusammen zu finden. Dozenten aus ganz Deutschland werden aus ihren Praxiserfahrungen berichten und ihr Know How gemeinsam mit den Elterninitiativen vor Ort an die spezifische lokale Ausgangssituation und die Bedürfnisse der Eltern und Jugendlichen anpassen.
Dazu werden in fünf Städten über einen Zeitraum von drei Jahren vielfältige Aktionen durchgeführt.
Seit April 2009 haben Vertreterinnen und Vertreter aus den fünf Städten Bad Wildungen, Aachen, Wuppertal, Düren und Köln an insgesamt 5 Seminarveranstaltungen teilgenommen. Unter Anleitung zweier russischsprachiger pädagogischer Mitarbeiter haben sie vielfältige praxisnahe Aufgaben zu den Themen Demokratie und Partizipation in Deutschland, dem Schul- und Bildungssystem in Deutschland sowie Berufsorientierungsmöglichkeiten bearbeitet. Hierzu haben mehr als 15 Gastreferenten die Teilnehmer mit ihrem Sachverstand und fachlichem Know-How unterstützt.
So haben beispielsweise der Kölner Sozialraumkoordinator, Rolf Blandow, der Jurist Joachim Hochdörfer, das Team der Magdeburger Eltern-AG mit den Teilnehmenden theoretisches Hintergrundwissen erarbeitet und die ersten Schritte der praktischen Umsetzung einstudiert. Die Teilnehmer zeigten sich an den sie betreffenden Themen äußerst interessiert und motiviert und haben bereits während der Seminare aktiv mit der Umsetzung handlungsorientierter Aktionen in ihren Städten begonnen. Die ersten MIGELOs haben schon vor Abschluss der Fortbildungsreihe, die aus insgesamt 7 Veranstaltungen besteht, in ihrem Wohnumfeld regelmäßige Zusammenkünfte von russischsprachigen Eltern initiiert, in denen - zum Teil unter Supervision durch die Dozententeams und unter Beteiligung externer Fachleute aus Schule, Verwaltung und Wirtschaft – integrations- und arbeitsmarktrelevante Themen besprochen wurden.
Neben den Seminarveranstaltungen der Multiplikatorenfortbildung haben zudem zwei Elternkongresse mit jeweils ca. 100 Teilnehmenden in Köln stattgefunden. Insbesondere der zweite Kongress, der am 04. Dezember 2009 in Köln-Mühlheim durchgeführt wurde, stieß auf große Resonanz bei den Teilnehmenden.
Der Hauptvortrag wurde von Herrn Prof. Dr. Meinrad M. Armbruster, Gründer der Magdeburger Eltern-AG, gehalten und zeigte die ganz zentrale Bedeutung der Eltern in der frühen Kindheitsphase auf.
Prof. Dr. Meinrad M. Armbruster erläuterte einleitend die Gründe für die Entstehung der Eltern - AG (Ergebnisse der PISA-Studie und die Ursachen für das schlechte Abschneiden von sozial benachteiligten Personen).
Ziel der Eltern-AG ist, Deprivationen, von denen Migranten in besonderer Weise betroffen sind, durch verschiedene Angebote und Aktivitäten in der Elternarbeit abzubauen, um Kindern einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Einkommen zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wurden von der Eltern-AG spezielle Empowerment-Methoden entwickelt, die mit Eltern eingeübt werden können. Zudem wurden die von der Eltern-AG entwickelten Phasen der Aktivierung von Eltern beim Aufbau einer Initiative und die Ausbildung von Multiplikatoren für die Elternarbeit erläutert.
Durch die anschließende sogenannte Fishbowl-Diskussion, erhielt das Publikum die Möglichkeit aktiv mit den Fachleuten der Eltern-AG Magdeburg, Vertreterinnen der Bezirksregierungen und Vertretern diverser Migrantenselbstorganisationen in den Dialog zu treten. Insbesondere wurde die primäre Sozialisationsinstanz Familie sowie deren wesentliche Rolle in einer demokratischen Gesellschaft thematisiert. Diskutiert wurden unter anderem der Stellenwert einer fördernden Kindererziehung, die Relevanz einer gelungenen Eltern-Kind-Interaktion sowie die Notwendigkeit, Erziehungskompetenzen zu entwickeln, die ein demokratisches und tolerantes Familienleben sowie gelungene Bildungserfolge ermöglichen.





