Lehrer/innen und Akademiker/innen mit Migrationsgeschichte für den Schuldienst in NRW qualifiziert

Zertifikatsübergabe in Königswinter

Am 4. Mai 2010 war es soweit:
Vertreterinnen und Vertreter der Otto Benecke Stiftung e.V. und der NEUE ARBEIT der Diakonie Essen gGmbH gratulierten in Königswinter den 20 Teil-   nehmenden zum erfolgreichen Abschluss der AQUA-Studienergänzung „Vorberei-  tung auf den Schuldienst in Nordrhein-Westfalen“ und überreichten ihnen die Qualifizierungsnachweise. Die Studien- ergänzung ist eine berufsqualifizierende Maßnahme auf Hochschulniveau, die die Otto Benecke Stiftung e.V. mit dem Kooperationspartner NEUE ARBEIT der Diakonie Essen gGmbH bereits zum dritten Mal seit 2006 gemeinsam durchführt.

Insbesondere für die zugewanderten Lehrerinnen und Lehrer, die in diesem Kurs mehrheitlich aus den GUS-Ländern stammen, ist die Teilnahme an dieser Qualifizierungsmaßnahme eine notwendige Voraussetzung, um überhaupt in ihrem erlernten Beruf tätig werden zu können. „Ich hatte es vorher nicht für möglich gehalten, jemals in Deutschland als Lehrerin zu arbeiten. Jetzt habe ich alle Auflagen erfüllt und bin bereit für das Referendariat“, resümiert eine Teilnehmerin aus Weißrussland.

Zunächst müssen die zugewanderten Lehrer/innen und Akademiker/innen behördliche Auflagen erfüllen

Mit einem Umfang von elf Monaten und einer einmonatigen Nachbetreuung bereitet diese zertifizierte Qualifizierung sowohl zugewan- derte Lehrer/innen, als auch Akademiker/- innen unterschiedlicher Fachrichtungen auf den Schuldienst in Nordrhein-Westfalen vor. Das Konzept der Maßnahme berücksichtigt dabei die Annerkennungsauflagen der zuständigen Behörden: Um als Lehrer/in mit Migrationsgeschichte dauerhaft arbeiten zu können, muss im Bundesland Nordrhein-Westfalen der in den Herkunftsländern er- worbene Studienabschluss für zwei Unter- richtsfächer, davon mindestens ein Mangel- fach, als 1. Staatsexamen anerkannt werden. Zur vollständigen Anerkennung ist der erfolgreiche Abschluss des sogenannten Kolloquiums - bestehend aus einem schriftlichen Sprachtest, Fachaufsatz und einer mündlicher Prüfung - zwingend. Mit dem bestandenen Kolloquium ist der Einstieg in den Vorbereitungsdienst als Referendar/in möglich.

Durch den im November 2009 aufgrund des akuten Lehrermangels in Nordrhein-Westfalen erleichterten Seiteneinstiegs mit der „Ordnung zur berufsbegleitenden Ausbildung von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern und der Staatsprüfung“ (genannt OBAS) können sich zugewanderte Akademikerinnen und Akademiker, die einen Hochschul-  abschluss beispielsweise in Informatik, Mathematik oder Chemie erworben haben, als Seiteneinsteiger/in an den weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen direkt bewerben.

Die Studienergänzung bereitet zielgruppenadäquat auf das Kolloquium beziehungsweise auf die Bewerbung und Tätigkeit an einer Schule vor.

Neben der Vorbereitung auf das Kolloquium erhielten die 14 Frauen und sechs Männer eine Vertiefung ihrer deutschen (Fach-)Sprachkenntnisse, aktuelle methodisch-didaktische Fachkenntnisse sowie eingehende Informationen über das deutsche Schulwesen. Regelmäßige Hospitationen an Schulen runden den fachtheoretischen Unterricht ab.

Alle Beteiligten freuen sich über den Erfolg

Vor der Übergabe der Qualifizierungs- nachweise wurde der Gruppe in einem zweitägigen Seminar die Gelegenheit geboten, die Studienergänzung unter verschiedenen Aspekten zu bewerten und die daraus resultierenden Ergebnisse allen Beteiligten zu präsentieren. Dabei zeigte sich eine hohe Zufriedenheit mit der Vielfältigkeit der durchgeführten Module insgesamt. Die Module  Prüfungsvorbereitung, Fachdidaktik, Psychologie, Gesellschaft und Recht und Hospitationen wurden von den Teilnehmenden besonders positiv hervor- gehoben. Sie äußerten, dass sie hierüber einen besonders hohen Kompetenzerwerb für die im hiesigen Unterrichtsalltag übliche Methodik und Didaktik erfahren haben. Zudem war der Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe insgesamt sehr hilfreich und so konnten über den während der eigenen Hospitation unmittelbar erlebten Schultyp hinaus, auch andere Schularten des deutschen Bildungssystems mittelbar kennengelernt werden.

Insgesamt waren die Absolventinnen und Absolventen mit dem Verlauf der Maßnahme sehr zufrieden. Fachlich, sprachlich und persönlich gestärkt für das Referendariat oder den Seiteneinstieg stehen sie ab sofort zur Besetzung offener Stellen an weiterführenden Schulen zur Verfügung. Ein ehemaliger Teilnehmer konnte bereits während der Maßnahmen im September 2009 über den Seiteneinstieg eine Stelle als Physiklehrer an einem Gymnasium antreten.

Kurz vor der Abschlussveranstaltung in Königswinter hat die Studien-  ergänzung erneut begonnen: Am 2. Mai 2010 kamen 20 Lehrer/innen und Akademiker/innen mit Migrationshintergrund in Bochum zusammen, um sich gemeinsam in den nächsten elf Monaten auf den Schuleinstieg vorzube-  reiten. Die Nachfrage zur Teilnahme an der Qualifizierung ist groß, nur können leider weitere Bewerbungen für diesen Termin nicht mehr berücksichtigt werden. 

Weiterführende Informationen
undefinedStudienergänzung Vorbereitung auf den Schuldienst in NRW
undefinedNeue Arbeit der Diakonie Essen

(Dieser Beitrag wurde am 6.05.2010 online gestellt.)  

undefinednach oben