OBS trauert um Jonathan Grigoleit

Jonathan Grigoleit zum Gedächtnis

Im November 2024 verstarb in Kiel der ehemalige Leiter des Auslandsamts der Universität Kiel, Jonathan Grigoleit, langjähriges Vorstandsmitglied des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, des Vorstands der Otto Benecke Stiftung e.V. und des World University Service. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Sein Tod stellt für die Austausch- und Entwicklungsorganisationen in Deutschland einen herben Verlust dar und hat große Betroffenheit und Trauer ausgelöst.

Jonathan Grigoleit wurde im Juni 1931 in Heydekrug geboren. Die Familie floh bei Kriegsende in den Westen. Nach Schulbesuch und Abitur studierte er Rechts– und Politikwissenschaften an mehreren Universitäten, so in München, an der Freien Universität Berlin, in Hamburg, Kapstadt, Bonn und Köln. Schon als Student zeigte sich seine internationale Aufgeschlossenheit in der studentischen Selbstverwaltung. Der Verband Deutscher Studentenschaften (VDS) wählte ihn 1957/58 zu seinem stellvertretenden Vorsitzenden für Internationales. Später übernahm er die Leitung des Auslandsamts des VDS in Bonn. In den Jahren nach 1958 wurde er Mitglied des Vorstands des World University Service und diente dieser hochschulnahen internationalen Hilfsorganisation bis 1961 als Generalsekretär. Es folgte eine Zwischentätigkeit bei der Friedrich-Ebert-Stiftung bis er 1967 zum Leiter des Akademischen Auslandsamts der Universität Kiel bestellt wurde. Über 30 Jahre kümmerte er sich bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1997 um die Auslandsbeziehungen dieser Universität, die Betreuung von mehreren Tausend ausländischen Studenten und die Förderung des Auslandsstudiums der Kieler Studenten. Im Jahre 1971 hielt er sich zu einem Forschungsaufenthalt in Westafrika auf und bereitete 1982/1983 chinesische Studenten im Aspiranten Kolleg an der Tongji-Universität auf ein Studium in Deutschland vor.

Im internationalen Austausch war Jonathan Grigoleit auch auf überregionaler Ebene tätig. Von 1966 bis 1992 gehörte er dem Vorstand des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an. Über drei Jahrzehnte, von 1990 bis 2010, war er Mitglied des Vorstands der OBS, die sich für die Eingliederung ausländischer Zuwanderer in das deutsche Bildungssystem einsetzt. Für sein außergewöhnliches Engagement in der internationalen Zusammenarbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

Der Geschäftsführende Vorsitzende der OBS, Dr. Lothar Theodor Lemper, schreibt über ihn: “Jonathan Grigoleit war ein treuer Freund der OBS. Selbst im hohen Alter kam er – wenn möglich – persönlich zu unseren Sitzungen. Sehr konstruktiv begleitete er die Sitzungen und setzte sich wohlmeinend genau mit den jeweiligen zur Verfügung gestellten Unterlagen zu integrationspolitischen Fragen und Fragen der Perspektive der OBS auseinander.”

Der Generalsekretär des World University Service (WUS), Dr. Kambiz Ghawami, nennt Jonathan Grigoleit “einen treuen und guten Mitstreiter und Berater des WUS, sogar weit über die Zeit an der Universität Kiel und beim DAAD hinaus. Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten.”

Als Mitglied des Internationalen Ausschusses des Verbandes Deutscher Studentenschaft (VDS) begegnete der Autor dieser Zeilen Jonathan Grigoleit im Jahre 1960 zum ersten Mal. Grigoleit war damals Leiter des  Auslandsamt des VDS. Auch als einer seiner Nachfolger im Amt des VDS-Vizevorsitzenden für Internationales arbeiteten wir glänzend zusammen. An eine Begebenheit  sei erinnert. Wir beide haben 1963/64 einen Appel von Tausenden Studenten und Hunderten von Professoren aus Deutschland, darunter ein Dutzend Nobelpreisträger, an die Vereinten Nationen organisiert, um gegen die Verurteilung des Humboldtstipendiaten Dr. Neville Alexander in Südafrika zu protestieren. Neville Alexander, der in Tübingen mit einer Arbeit über Gerhard Hauptmann promoviert worden war, wurde wegen seines Kampfes gegen die Apartheid zu zehn Jahren Lagerhaft auf der Sträflingsinsel Robben Island (wie Nelson Mandela) verurteilt. Die Reaktion der Vereinten Nationen war bemerkenswert. Sie bestätigten nicht nur den Eingang der Eingabe, sondern teilten mit, dass der Protest in New York erhebliches Aufsehen ausgelöst habe. Zum ersten Mal sei ein Appel aus Deutschland eingegangen, der sich nicht mit der deutschen Teilung oder der Berliner Mauer befasst habe.

Wer Jonathan Grigoleit kannte, trauert um ihn und wird sein Wirken in Erinnerung behalten.

Eberhard Diepgen, Reg. Bürgermeister von Berlin a.D., Kuratoriumsvorsitzender OBS 
Dr. Lothar Theodor Lemper, Geschäftsführender Vorsitzender OBS
Ignaz Bender, Universitätskanzler Trier a.D., Vorstandsmitglied OBS (Text)                                                                        

 

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