"Die OBS hat einen entscheidenden Beitrag zu meiner erfolgreichen Integration in Deutschland geleistet."

Michael Slavitski hat 2005/2006 an einem Deutsch-Intensivkurs der OBS in Köln im Rahmen des Garantiefonds Hochschule teilgenommen. Im Jahr 2006 wurde er in das Studienkolleg für ausländische Studierende an der Uni Bonn aufgenommen. Heute ist er als Produktmanager bei der AUDI AG tätig.

Im Interview erzählt er über seine Erfahrungen als Zugewanderter in Deutschland, die er gerne mit Menschen in der gleichen Situation teilen möchte.


Inwiefern konnte die OBS Sie bei Ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen?
 
Die OBS hat einen entscheidenden Beitrag zu meiner erfolgreichen Integration in Deutschland geleistet. Ich bin fest davon überzeugt, dass sehr gute Sprachkompetenz für eine erfolgreiche Integration und das persönliche Vorankommen essenziel ist. Außer dem Garantiefonds Hochschule ist mir kein vergleichbares Programm bekannt, welches über einen relativ kurzen Zeitraum einen unentgeltlichen Deutsch-Intensivkurs anbietet. Andere, private Programme mit vergleichbarer Intensität und Qualität konnte ich mir als junger Immigrant nicht leisten.  
 
Was empfehlen Sie Menschen in einer ähnlichen Situation?
 
Im Gegensatz zu andern Staaten, in denen die englische Sprache ausreichend sein mag, um sich wohl zu fühlen, ist hierzulande Deutsch unentbehrlich. Gerade die Anfangszeit in Deutschland kann schwierig sein – eine andere Kultur, neue Sprache, Sitten und Gebräuche. Andererseits hat man aber in der Regel relativ viel freie Zeit zur Verfügung.

Mein Appell an Euch: Macht Deutschlernen zu Eurer klaren Prio. 1!

Zusätzlich rate ich jedem, so schnell wie möglich gesellschaftlichen Anschluss zu suchen z. B. in Sportvereinen oder bei Nebenjobs mit viel Personenkontakt.
Neben neuen Kontakten, die man aufbaut, hat man dabei die Möglichkeit, neu erworbene theoretischen Kenntnisse gleich in der Praxis anzuwenden und zu verfestigen. Außerdem trifft man Gleichgesinnte und Sympathisanten.
 
Welches Potenzial für die Gesellschaft sehen Sie in Programmen wie dem Garantiefonds Hochschule?
 
Garantiefonds sind wahre Life Changer für die Stipendiatinnen und Stipendiaten!
Eine großartige finanzielle Absicherung gepaart mit einem Boost-Programm für das rasche Erlangen notwendiger Deutschkenntnisse.
Ich bin fest davon überzeugt, dass solche Programme weiter ausgebaut werden sollten.
Insbesondere angesichts der jüngsten politischen Ereignisse und der damit verbundenen Zunahme der Zuwanderung nach Deutschland ist es eine große Chance, den bestehenden Fachkräftemangel zu reduzieren.   
 
Gibt es Bereiche – Gesellschaft, Arbeitsmarkt … – in denen es bei der Integration von Zugewanderten besser laufen könnte? Haben Sie Vorschläge?
 
Ich möchte zwei Bereiche besonders hervorheben, die aus meiner Sicht große Chancen für die Integration von Zugewanderten bieten, jedoch Anpassung der politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen zwingend benötigen.
 
Serviceorientierte Berufe mit einem relativ niedrigeren Lohnniveau
Aufgrund des (aus meiner Sicht guten) sozialen Systems in Deutschland ist es kaum attraktiv, einen Beruf im Niedriglohnsektor anzunehmen, da das Entgelt nur leicht über dem Arbeitslosengeld liegt.

Als zugewanderter Mensch besitzt man – gerade am Anfang der Zeit in Deutschland – nicht zwingend die Qualifikation, um in anspruchsvolleren Berufen ohne Weiterbildung tätig zu sein.
Ich selbst habe parallel zum Studium als Barkeeper und im Security-Bereich gearbeitet.
Ich hatte viel Kontakt mit Menschen. Das hat meine Sprachkenntnisse verbessert, mir finanziell geholfen und meine gesellschaftliche Integration vereinfacht und beschleunigt.  

Nun stelle ich ein paar Grundsatzfragen auf:
Warum darf ein Barkeeper oder Angestellter in der Security abends, Nachts und an Sonntagen arbeiteten, während es für z. B. Postbooten oder Verkäufer nicht erlaubt ist?  
Ist das Ladenschlussgesetz noch zeitgemäß?
Bekommen Zugewanderte schnell und unkompliziert entsprechende Möglichkeiten einen Berufsanschluss zu machen (Arbeitserlaubnis, Integration- /Sprachkurse)?
Mein Vorschlag ist eine deutliche Liberalisierung der Rahmenbedingungen gerade in allen serviceorientierten Berufen.
Hier ist es jedoch ganz wichtig, Zugewanderten weiteren Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, sodass Nebenjobs zu keiner Langzeitfalle werden.
 

Digitale Dienstleistungen/Freelancing
Weltweit werden diverse Geschäftsfelder immer weiter digitalisiert. Wenn man morgen mit einer VR-Brille ein neues T-Shirt online auf einem digitalen Avatar anprobieren könnte – was in Metaverse zu 100% wie echt aussieht –  und es in ein paar Stunden nach Hause geliefert werden kann, würden man dann noch ins Geschäft gehen?
Damit diese Customer Journey funktioniert, muss noch sehr viel aufgebaut werden:
Onlineshops, Logistikströme, virtuelle Modelle etc.
Gerade zugewanderte Mitbürger können beim Aufbau dieser Strukturen eine entscheidende Rolle spielen. Sie bringen neue Perspektiven ein. Viele sind jung und kreativ – Digital Natives.
 
Meine Fragen in diesem Zusammenhang:
Wie stark werden digitale Geschäftsmodelle von der Politik unterstützt?
Wie flexibel sind Start Ups, Einzelunternehmer und Mittelständler hinsichtlich Personalpolitik und Steuerabwicklungen?
 
Meine Vorschläge:
Gezielte Unterstützung durch Fonds und Beratung für Start Ups, Einzelunternehmer und Mittelständler in ausgewählten zukunftsorientierten digitalen Geschäftsfeldern.
Zusätzliche Anreize für den Einstieg in zukunftsorientierte digitale Geschäftsfelder für Zugewanderte durch Verschlankung bürokratischer Prozesse (Anmeldung Start up, etc.) und zeitlich begrenzte Steuererleichterungen.


Informationen zum Garantiefonds Hochschule finden Sie hier.

Das OBS-Förderprogramm „Garantiefonds Hochschule“ wird finanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Kontakt

Otto Benecke Stiftung e.V.
Kennedyallee 105-107
53175 Bonn

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